Max Jacoby in der Berliner Kunst- und Kulturszene

Von Katrin Seidel

Ein besonderes Betätigungsfeld von Max Jacoby war die lebendige Kunst- und Kulturszene von West- Berlin. Nach dem Mauerbau 1961 war der Westteil Berlins nun wirklich zur Insel geworden und vor allen Dingen jüngere flexible Arbeitskräfte verließen ihn Richtung Westdeutschland. Aus Angst vor dem »Aussterben« der eingemauerten Stadt wurden nicht nur die Löhne erhöht und Zulagen gezahlt, sondern auch viel Geld in Kunst und Kultur investiert. Viele bekannte Künstlerinnen und Künstler kamen in den 1960er und 1970er Jahren für ein Gastspiel oder blieben sogar, fasziniert von der quirligen Kunstszene und den Freiräumen, die Berlin zu bieten hatte.
Angelockt wurden die internationalen Künstlerinnen und Künstler unter anderem durch das Programm »Artists in Residence«, das der Berliner Senat und die Ford Foundation vergaben. Max Jacoby bekam den Auftrag, die für jeweils ein Jahr eingeladenen Dichter, Maler, Bildhauer und Musiker für das Begleitbuch Berlin Confrontation (1965) zu fotografieren. Vermutlich entstanden über diese Tätigkeit zahlreiche Kontakte zu weiteren Berliner Künstlerinnen und Künstlern, denen er freundschaftlich verbunden blieb.
Besonders bekannt wurden Max Jacobys Publikationen über die berühmte Berliner Primaballerina Konstanze Vernon und den französischen Pantomimen Marcel Marceau. Jacoby fotografierte die Primaballerina allerdings nicht in Berlin, sondern erst nach ihrem Weggang 1963 an die Bayerische Staatsoper in München.
Max Jacoby, der in jungen Jahren eigentlich Kameramann werden wollte, hegte zeitlebens ein besonderes Interesse für den Film. Er fotografierte nicht nur Schauspielerinnen, Schauspieler und Regisseure für Magazine und Illustrierte, sondern betätigte sich bereits in Argentinien auch als Set-Fotograf. In Deutschland war er unter anderem für die Produktionsfirma Pohland KG Berlin tätig.

Berliner Musikleben
Max Jacoby fotografierte regelmäßig bekannte Unterhaltungskünstlerinnen wie Uschi Brüning oder Wencke Myhre für Zeitschriften und Magazine. Er schuf aber auch Fotoserien über Opernsängerinnen und Opernsänger wie Gloria Davy oder Dietrich Fischer-Dieskau, die sehr bekannt und begehrt waren.

Über viele Jahre begleitete er die Berliner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Herbert von Karajan und bekannten Gastdirigenten wie Karl Böhm oder Hans Werner Henze bei Proben und Konzerten fotografisch. Er arbeitete unter anderem für die Plattenfirma Deutsche Grammophon und porträtierte in ihrem Auftrag etwa 100 Künstlerinnen und Künstler für Plattencover. Diese haben sich als Belegexemplare im Nachlass von Max Jacoby erhalten.
Sein besonderes Interesse galt aber privat wie auch fotografisch den zahlreichen Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern, die in der Regel als Gäste der sehr erfolgreichen Berliner Jazztage in die Stadt kamen. Zu ihnen gehörten in den 1960er Jahren alle großen Stars insbesondere aus dem Mutterland des Jazz, den Vereinigten Staaten: Miles Davis, Duke Ellington, Max Roach, Sonny Rollins, Sarah Vaughan und Mahalia Jackson. Ella Fitzgerald war auf ihrer Tournee 1960 zu Gast im Berliner Sportpalast. Eine von Jacobys Fotografien wurde später das Coverbild für eine Single mit Songs von Irving Berlin.
Die Fotoaufnahmen der Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker entstanden oft ohne konkreten Auftrag und Max Jacoby versuchte, sie im Nachhinein an Zeitungen und Verlage zu verkaufen. Einige seiner Fotos wurden im Buch Photo-Story des Jazz von Joachim-Ernst Berendt 1978 abgedruckt. Weltbekannt sind vor allem die von ihm einfühlsam inszenierten Porträts des Ausnahmetrompeters Miles Davis.

Auszug aus: Max Jacoby. Leben und Werk eines jüdischen Fotografen, hrsg. von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Landesmuseum Koblenz, Ausst.-Kat., Köln, 2020, S. 83 und 99.

 

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Max Jacoby (1919–2009) floh 1937 aus seiner Geburtsstadt Koblenz nach Argentinien. Eine Kamera-Assistenz bei dem ungarischen Fotografen George Friedmann bot einen Neuanfang und zusammen mit anderen emigrierten Fotografen bildeten sie die Künstlergruppe „La Carpeta de los ...

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